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Praxishistorie

Anfang der 50er Jahre begründete der junge Dr. Karl Rill, der gerade seine Assistenzzeit in der chirurgischen Abteilung der Ludwig-Maximilians-Universität absolviert hatte, in der Wohnung seiner Eltern in der Zaubzerstraße seine eigene Zahnarztpraxis. Der Zulauf an Patienten war so groß, dass er ein paar Jahre später, 1954, als gegenüber neue Häuser vom Deutschen Lloyd gebaut wurden, eigene Räume bezog. Begeistert hatte er bei der Einteilung der Zimmer mit geplant. Es wurde eine Wohnung für Praxis und Familie, ganz nach seinen Bedürfnissen.

Als erstes war links das große Sprechzimmer mit Rezeption, Behandlungsstuhl und Nische für das Aquarium, daneben das 2. Sprechzimmer, verbunden durch eine große Tür mit schönem Rundbogen. Dieses Zimmer durfte später, als Nachwuchs gekommen war, das Kinderzimmer werden. Dann kam das Wohnzimmer, auch mit einer Nische für ein Aquarium. Weiter nach rechts folgte das Schlafzimmer nach hinten in den ruhigen Innenhof, dann das Wartezimmer mit Messingkronleuchter und Bauernmöbeln, danach die Küche. Der Gang gleich rechts führte geradeaus zur Toilette und nach rechts zum Bad. Als Tochter und Sohn größer geworden waren, mietete Dr. Rill kurzerhand das Appartement im 1. Stock über dem großen Sprechzimmer für die Kinder an.

Die Praxis lief gut. Dr. Rill war ein versierter, umsichtiger Zahnarzt. Seine Frau stand ihm zur Seite. Sie assistierte am Stuhl und betreute die Rezeption. Dr. Rill half auch ausserhalb der Sprechstunde und war zur Stelle, wenn ein Kind sich draußen das Knie aufgeschlagen hatte. Viele Patienten wurden quasi Freunde der Familie Rill. Es war eine harmonische kleine Welt, in der auch einmal ein Stubenhase durch die Küche hoppeln durfte.

Dr. Rill liebte frische Blumen. Täglich wurden sie von seiner zuverlässigen Haushälterin Frau Lachermeier neu gesteckt.

Und so vergingen die Jahre; die Kinder waren aus dem Haus. Aber Dr. Rill dachte nicht an Aufhören. Er war seinen Patienten verpflichtet und schloss deswegen manchmal schon um 7 Uhr morgens auf. Auch abends um 21 Uhr konnte man öfters noch Licht im Sprechzimmer sehen. Nur seine Stunde Mittagspause war ihm heilig. Da stellte dann Frau Lachermeier die Türglocke aus und Dr. Rill konnte seinen verdienten Mittagsschlaf halten.

Leider habe ich 1993 nur noch Frau Rill und die beiden Kinder kennenlernen dürfen. Dr. Rill war im Alter von 67 Jahren plötzlich beim Angeln, seiner Passion, gestorben. Viele haben um ihn getrauert und für viele bleibt er der Inbegriff eines sympathischen Arztes aus innerer Berufung.

Das Erbe war also schwer, aber Frau Rill machte mir Mut, dass ich die Praxis im Sinne ihres Mannes weiterführen könne. Ich beschloss also in die Rillsche Wohnung zu ziehen, mit den schönen alten Möbeln meiner Großtante. Mit Freunden und Familie räumten wir auf und sortierten neu. Nur 10 Tage später am 02.11.1993 wartete ich auf meinen ersten eigenen Patienten. Natürlich glaubte ich, daß am Anfang kaum einer kommen würde, aber schon am Nachmittag rief ich erschöpft eine Freundin an, mir bei der Assistenz zu helfen.

Und so baute ich nach einem Jahr die Praxis zu zwei vollwertigen Sprechzimmern um. In dieser Zeit arbeitete ich noch alleine, aber mein Wunsch war immer, die Praxis gemeinsam mit einer kompetenten Partnerin zu führen.

Der zweite Umbau erfolgte 1998, da ich, mittlerweile verheiratet, mit meinem Mann nach Denning gezogen war. Aus dem Wohnzimmer wurde das Besprechungszimmer, aus dem Schlafzimmer die Rezeption und aus der Küche das Prophylaxezimmer, so wie Sie es heute sehen können.

Seit 2004 führen wir nun die Praxis gemeinsam. Dr. Andrea Storck, meine langjährige Freundin aus unserer gemeinsamen Studienzeit, hatte ihre eigene Zulassung in Mainburg aufgegeben, da sie mit ihrer Familie jetzt dauerhaft in München wohnt.

Und immer noch kommen viele der ehemaligen Patienten von Dr. Rill zu uns. Dafür sind wir sehr dankbar, denn sie helfen uns, die familiäre und individuelle Atmosphäre von damals zu erhalten.

Das alte Türschild "Dr. Rill" hat einen versteckten Ehrenplatz erhalten. Unsere treue Frau Lachermeier kauft immer noch ein, macht sauber und steckt unsere Blumen neu. Wir hoffen, dass dies noch lange so bleiben wird.

Ihre Praxis Dr. Katharina Hellhake und Dr. Andrea Storck